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Plural
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Der Plural (lateinisch [numerus] pluralis âMehrzahlâ, abgeleitet von plures âmehrereâ; AbkĂźrzung: Plur., Pl.) ist der grammatische Fachausdruck fĂźr Mehrzahl (AbkĂźrzung: Mz.). Dem Plural gegenĂźbergestellt ist der Singular, die Einzahl. In manchen Sprachen gibt es weitere Zahlformen, siehe Numerus.
Der Plural eines Substantivs bezeichnet typischerweise eine Menge von Gegenständen oder Individuen, die grĂśĂer als eins ist. Substantive, die nicht-zählbare Dinge bezeichnen, haben häufig keinen Plural, oder der Plural hat eine andere Funktion (z. B. poetischer Plural).
Contents
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Der Plural im Deutschen
Neben dem interpretierbaren Plural der Substantive, der meistens eine Mehrzahl von bezeichneten Dingen oder Personen angibt, gibt es im Deutschen grammatische Kongruenz hinsichtlich der Unterscheidung Singular/Plural. Kongruenz ist nur in manchen Fällen von der Bedeutung der AusdrĂźcke gesteuert (so bei Verbindungen mit âundâ):
⢠Ich fahre Ăźber die groĂen Seen. (Objekt, zugehĂśriger Artikel)
⢠Mutti und Vati fahren. (Besteht die Nominalphrase aus mehreren im Singular stehenden Nomina, wird am Verb auch der Plural markiert.)
⢠Die Schßler oder der Lehrer betreten das Klassenzimmer. (Bei gemischten Numeri des Subjekts wird am Verb der Plural angewendet.)
Pluralbildung des Artikels
Der bestimmte Artikel, der im Singular die Wortgeschlechter anzeigt (der, die, das), weist im Plural die Einheitsform die auf. FĂźr Maskulina und Neutra gilt daher in ihrer bestimmten Verwendung bereits ein Numerusunterschied durch die Artikelform als gegeben.
Der unbestimmte Artikel (ein-) zeigt im Deutschen Ăźblicherweise keine Pluralform: ein Stuhl â StĂźhle. Lediglich zur besonderen Hervorhebung der Unbestimmtheit kann die Form einige eingesetzt werden: ein Stuhl â einige StĂźhle, die analog zu den anderen Mengenattributen wie keine, wenige, manche, viele, alle flektiert, wobei bei der Anzahl Null sowohl Singular als auch Plural stehen kann: kein Stuhl / keine StĂźhle, womit kein wie ein Possessivpronomen (mein, dein, sein, ihr) fungiert. AuĂerdem entspricht der unbestimmte Artikel morphologisch wie semantisch dem Zahlwort eins und entsprechend flektieren die anderen Numeralia (Kardinalzahlen) im Plural: ein Stuhl â zwei StĂźhle, âŚ
Pluralbildung bei Substantiven
Während die Flexionsendung eines deutschen Artikels oder Adjektivs von Genus, Numerus und Kasus abhängt, also drei Einheitenkategorien in sich vereint (âFusionâ), treten in Substantiven die Suffixe gegebenenfalls hintereinander auf (âAgglutinationâ). Auf den eigentlichen Stamm kĂśnnen substantivische Derivationsmorpheme folgen, die jeweils ein festes Genus tragen, und daran kann ein Pluralsuffix angehängt werden, hinter dem allenfalls noch ein Dativsuffix stehen kann.cite-ref-1[1]
Konkret werden zur Pluralbildung in der deutschen Sprache folgende sprachliche Mittel verwendet:
1. additiv-agglutinierende (nämlich die Suffixe -e, -er, -(e)n und -s, vgl. Tabelle)
2. modifikatorische (nämlich Umlaut: der Magen â die Mägen)
3. morphosyntaktische (nämlich die Artikelunterscheidung bei Nullpluralen: der Wagen â die Wagen).
Folgende Tabelle gibt eine Ăbersicht Ăźber die Pluralbildung von ErbwĂśrtern und LehnwĂśrtern:
| Pluralmorph (Endung) | Maskulina | Maskulina | Feminina | Feminina | Neutra | Neutra |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Pluralmorph (Endung) | ohne Umlaut | mit Umlaut | ohne Umlaut | mit Umlaut | ohne Umlaut | mit Umlaut |
| -e | Hund â Hunde | Turm â TĂźrme | Wildnis â Wildnisse | Hand â Hände | Jahr â Jahre | FloĂ â FlĂśĂe |
| -er | Geist â Geister | Wurm â WĂźrmer | -/- | -/- | Ei â Eier | Amt â Ămter |
| -(e)n | Bauer â Bauern | -/- | Tafel â Tafeln | Werkstatt â Werkstätten | Ohr â Ohren | -/- |
| -s | Kakadu â Kakadus | -/- | Boa â Boas | -/- | Radio â Radios | -/- |
| -â
| BĂźrger â BĂźrger | Vater â Väter | Peperoni â Peperoni | Mutter â MĂźtter | Messer â Messer | Kloster â KlĂśster |
Wie man erkennen kann, sind die Arten der Pluralbildung vielfältig und arbiträr; weder vom Genus noch von der Lautgestalt des Substantivs sind eindeutige Regeln vorhersagbar. Es gibt dennoch einige Zusammenhänge zwischen Genus und Pluralform eines Substantivs.
Verhältnis von Genus und Plural
Jacob Grimm stellte fest, dass die Pluralbildung im Allgemeinen vom Genus des Wortes abhängig ist und meist
⢠Maskulina die Endung -e
⢠Neutra die Endung -er
⢠Feminina die Endung -(e)n
erhalten. Die Distribution der einzelnen Allomorphe ist aber morphologisch bedingt, d. h., es kann keine allgemeingĂźltige Regel angegeben werden, mit der man aus dem Aussehen des Singulars auf den Plural schlieĂen kĂśnnte. Nur die Wahl zwischen -n und -en ist phonetisch bedingt.
Doppelformen in der Pluralbildung
Manchmal existieren verschiedene Pluralformen eines Wortes, zum Beispiel
⢠das Wort â die WĂśrter oder die Worte
Dabei gibt es einen Bedeutungsunterschied in der hochdeutschen Sprache: Die Worte beziehen sich auf das Wort als Aussage, während die WĂśrter sich eher auf die grammatische Bedeutung von âWortâ beziehen.
⢠der Park â die Parks oder die Pärke (CH)
⢠der Tunnel â die Tunnel (siehe Nullplural) und die Tunnels (siehe s-Plural, von engl. tunnel)
⢠der Luftballon â die Luftballone und die Luftballons
Der e -Plural
Dieser Plural ist typisch fĂźr die deutsche Sprache, wenn auch ungleich auf die Genera verteilt. So gibt es zwar Ăźber 200 maskuline WĂśrter aus dem Erbwortschatz, die einen e-Plural bilden, aber nur etwa 60 Neutra und 40 Feminina. Während letztere stets Umlaut zeigen, wo dieser mĂśglich ist (die Kuh - die KĂźhe), tritt der Umlaut bei Maskulina und Neutra unregelmäĂig auf; vgl. der Hund - die Hunde vs. der Ball - die Bälle. Maskuline Deverbativa bilden, wo mĂśglich, regelmäĂig Umlaut: der Fall - die Fälle, der Flug - die FlĂźge, der Zug - die ZĂźge.
Innerhalb der indogermanischen und sogar der germanischen Sprachen ist der e-Plural eher selten; er tritt jedoch auch im Dänischen auf (vermutlich durch deutschen Einfluss mitbedingt).
⢠Feminina ohne Umlaut: sämtliche Feminina auf -nis (Plural mit Auslautverdoppelung: -nisse), wie die Befugnis, die Kenntnis.
⢠Neutra ohne Umlaut: sämtliche Neutra auf -nis (Plural mit Auslautverdoppelung: -nisse), wie das Wagnis, das Ergebnis, das Erfordernis.
⢠Feminina mit Umlaut: Angst, Axt, Bank, Braut, Brunst, Brust, Faust, -flucht (z. B. Ausflucht), Frucht, Gans, Gruft, Hand, Haut, Kluft (auch n-Plural), Kraft, Kuh, -kunft, Kunst, Laus, Luft, Lust, Macht, Magd, Maus, Nacht, Naht (auch n-Plural), Not, Nuss, Sau (auch n-Plural), Schnur, Stadt, Sucht, Wand, Wurst, Zunft.
Einige Feminina sind im Schwange, vom e- zum n-Plural zu wechseln, eine Entwicklung, die das Simplex Flucht (Fluchten, aber noch: AusflĂźchte), ferner die WĂśrter Saat oder Schlucht bereits abgeschlossen haben (*Säte, SchlĂźchte â Saaten, Schluchten).
Der n -Plural
Vor allem Feminina bilden im Deutschen einen Plural auf -n; dabei enden sie im Singular typischerweise auf -e, -el oder -er:
⢠die Erbse â die Erbsen
⢠die Leiter â die Leitern
⢠die Partikel â die Partikeln
Feminina auf -er oder -el verhalten sich deshalb anders als gleichfĂśrmige Maskulina oder Neutra, weil der Plural bei ihnen nur durch die Endung und nicht, wie bei jenen, durch den Wechsel des Artikels ausgedrĂźckt werden kann.
Den n-Plural in der Form -en bilden WÜrter, die in der Morphologie ihres Singulars keine Endung aufweisen, also nicht auf abgeschwächtes -e, auf -er oder -el enden, wie:
⢠die Frau - die Frauen
⢠der Mensch - die Menschen
⢠der Herr - die Herren, auch: die Herrn
⢠die Tat - die Taten
Personenbezeichnungen mit Endung -in bilden den n-Plural mit Auslautverdoppelung in der Form -innen: Fahrerinnen, Professorinnen.
Feminina wie Deverbativa auf -ung und Deadjektiva auf -heit, -keit, -igkeit sowie Feminina lateinischer, griechischer, franzÜsischer Herkunft auf -ion und -tät bilden den n-Plural auf -en:
⢠die Erklärung - die Erklärungen
⢠die Freiheit - die Freiheiten
⢠die Kleinigkeit - die Kleinigkeiten
⢠die Universität - die Universitäten
AuĂerdem bilden einige Maskulina einen n-Plural; es handelt sich dabei vorwiegend um belebte Substantive auf -e, z. B. der Bube, der Knabe, der Rabe, der LĂśwe, der Grieche, der Schwede; sowie ferner um einige wenige Substantive auf -er, etwa der Bauer, der Bayer, der Vetter.
Eine weitere Gruppe von vor allem maskulinen WĂśrtern mit Plural auf -n sind WĂśrter lateinischer oder griechischer Herkunft mit Endbetonung oder Betonung auf der vorletzten Silbe, die Personen bezeichnen, z. B.:
⢠auf -at: der Advokat, der Pirat, der Soldat
⢠auf -et: der Poet, der Prophet, der Prolet
⢠auf -or: der Doktor, der Juror, der Professor
SchlieĂlich existiert noch eine Gruppe neutraler LehnwĂśrter, welche ebenfalls zumeist aus dem Lateinischen oder Griechischen stammen und eine endbetonte Stammform im Singular zeigen; diese nehmen einen Plural auf -ien an, z. B.:
⢠das Fossil â die Fossilien (neben: die Fossile)
⢠das Indiz â die Indizien
⢠das Utensil â die Utensilien
sowie als einziges Erbwort:
⢠das Kleinod â die Kleinodien (neben: die Kleinode)
Die meisten dieser WĂśrter haben ihr Singularmorph -um abgestoĂen; einige jedoch behalten dieses Suffix weiterhin und zeigen so Suffixwechsel bei der Numerusbildung:
⢠das Museum â die Museen
⢠das Sanatorium â die Sanatorien
Siehe aber auch das Unterkapitel zum Plural von FremdwĂśrtern.
Der r -Plural
Der Plural auf -r betrifft ursprĂźnglich nur eine kleine Klasse von Neutra (Bezeichnungen fĂźr Tierjunge) und wurde von dort ausgehend mittels Analogie auch auf andere WĂśrter Ăźbertragen. Heute flektieren etwa ein Dutzend Maskulina und mehrere Dutzend Neutra nach diesem Muster, das nur im Mittelhochdeutschen produktiv war; dabei tritt immer, wo mĂśglich, Umlaut ein.
⢠Maskulina ohne Umlaut: Geist, Leib, Ski/Schi.
⢠Maskulina mit Umlaut: Gott, Mann, Mund, Rand, Strauch, -tum (z. B. Reichtum), Wald, Wurm.
⢠Neutra ohne Umlaut: Biest, Bild, Brett, Ei, Feld, Geld, Gemßt, Geschlecht, Gesicht, Gespenst, Kind, Kleid, Lid, Lied, Nest, Regiment, Rind, Schild, Schwert, Viech.
⢠Neutra mit Umlaut: Aas, Amt, Bad, Blatt, Buch, Dach, Dorf, Fach, Gehalt, Gemach, Geschmack, Gewand, Glas, Grab, Gras, Gut, Haupt, Haus, Holz, Horn, Huhn, Kaff, Kalb, Korn, Kraut, Lamm, Land, Mahl (auch e-Plural), -mal (auch e-Plural, z. B. Denkmal), Maul, Rad, Ross (auch e-Plural), Schloss, Spital, Tal, Trumm, Tuch, Volk, Wort.
Feminine r-Plurale sind im Standarddeutschen nicht belegt. Im Ăśsterreichischen Deutsch indes existiert fĂźr âTomateâ ein Singular: die Paradeis mit zugehĂśrigem Plural die Paradeiser. Häufig wird jedoch die Paradeiser auch als Singular verwendet.
Der s -Plural
Die Mehrzahlbildung mit -s ist im Hochdeutschen im 17./18. Jahrhundert aufgekommen, und zwar zuerst bei Familiennamen und später bei den Ruf- und Ortsnamen. In diesen Fällen geht sie auf die Genitiv-Endung -s zurßck, etwa Mßllers Familie, Meiers Leute.cite-ref-2[2] Eine andere Quelle sind die s-Plurale des Niederdeutschen, etwa die Kumpels, die Jungens, die sie wie die anderen nordseegermanischen Sprachen, etwa das Niederländische und das Englische, seit alters kennen.
Heute gehĂśrt die s-Endung zum Standard der deutschen Pluralbildung. Sie wird zum Beispiel bei manchen Akronymen, bei vielen FremdwĂśrtern, vor allem solchen englischer oder franzĂśsischer Herkunft, sowie bei Satzkomposita verwendet:
⢠die CD â die CDs
⢠der Pkw â die Pkws
⢠der Akku â die Akkus
⢠der Cousin â die Cousins
⢠der Job â die Jobs
⢠das Handy â die Handys
⢠das Lebewohl â die Lebewohls
Enden Substantive, was fßrs Deutsche eigentlich unßblich ist, auf andere Vokale als das abgeschwächte e, so gilt i. d. R. die Pluralform -s: die Oma - die Omas, der Opa - die Opas, das Zebra - die Zebras, das Gnu - die Gnus, das Gummi - die Gummis, das Kino - die Kinos, das CafÊ - die CafÊs, das Komitee - die Komitees, ugs. das Kilo - die Kilos.
Der s-Plural wird zudem fĂźr die Kennzeichnung von Gruppen gleichen Familiennamens verwendet:
⢠die Mßllers (mehrere Mitglieder der Familie Mßller)
aber:
⢠der MĂźller â die MĂźller (Beruf)
Der Nullplural
Endungslos und formengleich mit dem Singular ist der Plural bei vielen Maskulina und Neutra auf -el, -en oder -er:
⢠der GĂźrtel â die GĂźrtel
⢠der Kuchen â die Kuchen
⢠der Laster â die Laster (im Sinne von 'Lastwagen')
⢠das Laster â die Laster (im Sinne von 'Untugend')
⢠das MĂźndel â die MĂźndel
⢠das Lebewesen â die Lebewesen
Hierunter fallen auch die sehr zahlreichen Deverbativa der Form fahren - der Fahrer - die Fahrer, laufen - der Läufer - die Läufer, Gerßste bauen - der Gerßstbauer - die Gerßstbauer etc. (nicht jedoch der Bauer - die Bauern i. S. v. Landwirt). Auch jederzeit mÜgliche Neubildungen, auch Ad-hoc-Bildungen, dieser Klasse folgen diesem Pluralschema: chatten - der Chatter - die Chatter, Snowboard fahren - snowboarden - der Snowboarder - die Snowboarder, gar nichts verstehen - der Gar-nichts-Versteher - die Gar-nichts-Versteher.
Nullplural zeigen ebenfalls Neutra auf -e; dabei handelt es sich zumeist um Kollektivsubstantive mit Präfix ge- z. B. das Gebäude - die Gebäude, so auch Gebilde, Gebirge. Ebenso das Maskulinum der Käse - die Käse.
Ein Sonderfall sind einige lateinische WĂśrter wie Kasus und Status. Singular und Plural werden hier zwar gleich geschrieben (der Status â die Status), aber mit unterschiedlich gesprochener Endung: Singular mit kurzem u, Plural mit langem u. Das lange u im Plural wird zuweilen auch markiert, z. B. als KasĹŤs (mit Makron).cite-ref-3[3]cite-ref-4[4]
Der (reine) Umlautplural
Zweisilbige Maskulina auf -el, -en und Substantive auf -er unterscheiden die Singular- von der Pluralform oft durch Umlautung des Stammvokals:
⢠der Apfel â die Ăpfel
⢠der Boden â die BĂśden
⢠der Vater â die Väter
⢠die Mutter â die MĂźtter
⢠die Mutter (technisch, Schrauben-) - die Muttern
⢠das Kloster â die KlĂśster
Sowohl mit als auch ohne Umlaut erscheint der Plural etwa von Wagen: die Wagen / die Wägen.
Der kombinierte Umlautplural
Umlaut tritt jedoch auch bei der Pluralbildung von Substantiven auf, welche sich eines Pluralmorphs bedienen; typischerweise handelt es sich dabei um Maskulina mit e-Plural oder Neutra mit r-Plural; fßr einsilbige Feminina mit e-Plural ist Umlaut obligatorisch. Andere Feminina zeigen keine Umlautung im Plural, ausgenommen Komposita auf -statt (Plural: -stätten).
In Verbindung mit dem n-Plural tritt, von diesem Fall abgesehen, kein Umlaut auf; selbiges gilt ausnahmslos fĂźr den s-Plural.
Spezielle Pluralformen von FremdwĂśrtern
Bei WĂśrtern aus Fachsprachen kommt es mitunter zu ungewĂśhnlichen Pluralformen, welche der fremden Herkunft dieser WĂśrter geschuldet sind. Teils erscheint hierbei die deutsche Pluralendung -e oder -en:
⢠das Visum â die Visa
⢠das Praktikum â die Praktika
⢠das Universum â die Universen
⢠das Antibiotikum â die Antibiotika
⢠die Sphinx â die Sphingen oder die Sphinxe
⢠der Pharao â die Pharaonen
⢠der Embryo â die Embryonen oder die Embryos
⢠der Kibbuz â die Kibbuzim oder die Kibbuze
⢠der Seraph â die Seraphim oder die Seraphe
⢠der Kodex â die Kodizes (oder: der Codex â die Codices)
⢠der Index â die Indizes (oder die Indices)
⢠der Appendix â die Appendixe oder die Appendizes
Spezielle Pluralformen von FremdwĂśrtern auf â-maâcite-ref-5[5]
Es gibt eine Reihe von Nomen lateinischen und griechischen Ursprungs, die im Singular auf â-maâ enden. Diese bilden ihren Plural entweder mit â-sâ, â-enâ oder â-mataâ.
⢠das Komma â die Kommas oder die Kommata
⢠das Schema â die Schemas oder die Schemata oder die Schemen (selten)
⢠das Klima â die Klimata oder die Klimas (selten) oder die Klimate (besonders fachsprachlich)
⢠das Aroma â die Aromas oder die Aromen oder die Aromata (selten)
⢠das Dilemma â die Dilemmas oder die Dilemmata
⢠das Stigma â die Stigmen oder die Stigmata
⢠das Trauma â die Traumen oder die Traumata
Originalpluralformen von FremdwĂśrtern
Bei FremdwĂśrtern werden im Deutschen auch Plurale gebildet, welche sich in der Morphologie (nicht aber unbedingt in der Aussprache) an der Pluralform der Herkunftssprache des betreffenden Wortes orientieren:
⢠der Espresso â die Espressi (Originalplural) neben die Espressos (eingedeutschter Plural)
⢠die Pizza â die Pizzen oder die Pizzas (beides eingedeutschte Plurale), selten: die Pizze (Originalplural)
⢠der Kasus â die Kasus (Gelehrtenplural nach lateinischem Vorbild: Singular mit kurzem, Plural mit langem u)
⢠der Tenuis â die Tenues
Spaghetti, Rigatoni etc. sind im italienischen Original die Pluralformen. Die entspr. Singularform ist im Deutschen nicht gebräuchlich. Es ergeben sich so zwei MÜglichkeiten des Plurals: die Spaghetti - die Spaghetti oder die Spaghettis.
UngewĂśhnliche und Ăźbermarkierte Pluralformen
Folgende WĂśrter bilden im Deutschen einen Plural mittels Einschub eines Dentallautes -d- oder -t- zwischen Wortstamm und Plural:
⢠der Bau â die Bauten (neben die Baue)
⢠der Zeitlauf â die Zeitläuf[t]e
In einem Aufforderungssatz wird umgangssprachlich manchmal ein zusätzliches -s an den bereits markierten Plural angefßgt; diese Endungstypen entstammen dem Niederdeutschen:
⢠Kind â Kinders
⢠Jungen â Jungens, auch Jungs
⢠Weib â Weibers
Eine parallele Ăbermarkierung zeigt sich beim Ăquivalent zu deutsch âKindâ im Niederländischen (het kind â de kinderen) und im Englischen (child â children).
Entstanden ist Letzterer, nachdem die ältere, der deutschen Form äquivalente Pluralform childer mit der Pluralendung -er nicht mehr klar war; deshalb wurde die neue Pluralendung -en angefĂźgt, die damals noch produktiv war (vgl. die Reliktform ox â oxen). Manchmal wird heute auch die nicht anerkannte Form childrens benutzt, bei der noch eine dritte Endung, nämlich die heutige Standardendung -s angefĂźgt wird.
Plural von Komposita
FĂźr Komposita, also zusammengesetzte Substantive, gilt im Deutschen die Regel, dass nur das jeweilige Hinterglied einen Plural bildet:
⢠der Apfelbaum â die Apfelbäume (nicht: *die Ăpfelbäume)
⢠die Wurstsemmel â die Wurstsemmeln (nicht: *die WĂźrstesemmeln)
⢠der SemmelknĂśdel â die SemmelknĂśdel (man vergleiche aber den Valentinschen Scherzplural SemmelnknĂśdeln)
Dies gilt nicht in manchen deutschen Dialekten, etwa im Bairischen, wo manchmal auch das Vorderglied einen Plural bilden kann:
⢠Ă
pfibĂ m â ĂpfibĂ m (neben OpfibĂ ma und ĂpfibĂ ma)
Die Pluralform im Dativ
Die Plurale auf -e und -er sowie die Nullplurale und Umlautplurale mit -er, -el fĂźgen in der Dativform ein -n an: -en, -ern, -eln. So mit den KrĂźgen, den Gläsern, den Tellern, den Ăpfeln.
Pluralbeschränkungen
MaĂeinheiten und Mengenbezeichnungen
Bei MaĂeinheiten, Mengenbezeichnungen, Währungen und Ăhnlichen, die Maskulina oder Neutra sind, wird bei Zahlenangaben kein Plural verwendet. Beispiele: 100 Gramm, 30 Grad Wärme, 5 Prozent, 100 Euro; aber: 5 Meilen, 10 Rupien (Feminina). Dies gilt auch fĂźr manche Substantive, die in anderen Zusammenhängen eine Pluralform erhalten: zwei Glas Wein, drei Fass Bier, drei MaĂ Bier, fĂźnf Blatt Papier, zehn Schuss Munition, dreiĂig Mann Verlust, ein zwei Faust groĂes ErzstĂźck.cite-ref-6[6] Vgl. dagegen Feminina wie zwei Flaschen Wein, zwei Dosen Tomaten und Zeitangaben in allen Genera wie zehn Minuten Pause, fĂźnf Stunden Zeit, drei Tage Urlaub, viele Jahre Arbeit. Letztlich ungeklärt bleiben muss die Zuordnung zu Singular- oder Pluralform etwa bei vier Teller Suppe.
Bei Stoffbezeichnungen entfällt der Plural manchmal, wenn eine Portionseinheit gemeint ist: 2 Kaffee fßr die Herren am Tisch vorn links.cite-ref-7[7]
Singularetantum
Manche WĂśrter haben keinen Plural, man spricht dann von einem Singularetantum.
⢠Weltall, Chaos, Schlaf, Liebe, Klugheit oder Brom (wie alle anderen chemischen Elemente).
Bei Saft, Holz u. ä. ist der Plural limitiert auf die Bezeichnung von Sorten, Varietäten des Stoffes, des Materials: Obstsäfte, edle HÜlzer.
Pluraletantum
Ein Substantiv, das nur im Plural gebräuchlich ist, nennt man Pluraletantum.
⢠Ferien, Kosten, Eltern
Bei manchen nur im Plural vorhandenen WĂśrtern ist der Singular in der hochdeutschen Sprache verschwunden, kann aber in Dialekten noch vorhanden sein.
⢠Trßmmer (Singular war Trumm)
Einiger Fälle von Pluraletantum kommen heutzutage nur noch in bestimmten Redewendungen vor.cite-ref-8[8]
⢠Flausen im Kopf
⢠Prßgel bekommen
⢠und Konsorten
Falls man diese Form mit einem weiteren Suffix in eine Einzahl verwandeln kann, spricht man von einem Singulativ (im Deutschen selten).
⢠Besonderheit: der Kaufmann â die Kaufleute oder der Oberst â die Obersten (veraltet: Obrist â Obristen)
Bedeutungsverschiebung
Bei einigen WĂśrtern kommt im Plural ein Bedeutungswandel zum Ausdruck:
⢠das Wasser (Bezeichnung einer unbestimmten Menge an Wasser)
⢠die Wasser (verschiedene Sorten Wasser, Flßsse, Seen etc.)
⢠die Wässer (verschiedene Sorten Trinkwasser)
Kollektivum
Ein Wort, das rein formal im Singular auftritt, aber semantisch eine Mehrzahl bezeichnet, heiĂt Kollektivum. Dabei ist meist eine unbestimmte Menge gemeint, die keine grammatische Mehrzahl hat:
⢠der Ast â die Ăste â das Geäst
⢠der Strauch â die Sträucher â das Gesträuch
⢠der Wurm â die WĂźrmer â das GewĂźrm
Auch das GemĂźse ist so entstanden, in heutiger Bedeutung aber ist je nach Kontext durchaus eine Anzahl bestimmbar (etwa das GemĂźse im KĂźhlschrank). Zudem existiert auch der Plural die GemĂźse.
Das Laub benennt eine unbestimmbare Vielzahl von Blättern. Ebenso das Gras, das Getreide (auf dem Feld). Ăhnlich, wenn auch ggfls. in der Zahl der Glieder bestimmt oder bestimmbar, weitere morphologisch nicht markierte Kollektiva wie das Obst (auf dem Teller), das Personal, das Management. Das Team, die Versammlung, das Parlament, die Regierung bezeichnen eine ggfls. bestimmbare Vielzahl von Personen, kĂśnnen aber auch selbst in den Plural gesetzt werden (die Regierungen). In die Mannschaft, die Nachbarschaft ist -schaft Hinweis auf die Bedeutung als Kollektivum.
Plural bei Adjektiven
Beim attributiven Adjektiv (Eigenschaftswort) tritt der Plural in Ăbereinklang mit dem entsprechenden Substantiv auf und wird entsprechend dekliniert:
⢠Die roten Stßhle. (Adjektiv und Substantiv im Nominativ und Akkusativ Plural Neutrum, siehe auch KNG-Kongruenz)
Nicht dagegen beim prädikativen Adjektiv:
⢠Die Stßhle sind rot.
Beim attributiven Adjektiv kann das Substantiv auch ausgelassen werden, wenn es sich aus dem Kontext ergibt:
⢠Wo sind die Stßhle? Die gelben stehen vor der Tßr.
Auch lexikalisierte substantivierte Adjektive deklinieren so:
⢠die Grßnen
⢠Angestellte, die Angestellten
Plural von Personalpronomen
Die Personalpronomen weisen im Singular und Plural unterschiedliche Stammformen auf, nur der Pluralstamm der 3. Person entspricht einem der genusabhängigen Singularstämme, nämlich dem femininen. Auch die Deklinationsformen sind mit Stammwechseln unregelmäĂig, wobei sie in der 3. Person weitgehend dem Muster der Adjektive und Artikel folgen.
1. ich â wir
2. du â ihr
3. er, sie, es â sie
Der Plural in anderen Sprachen
Viele Sprachen der Welt haben eine morphologische Numerusunterscheidung und kennen deshalb auch die Kategorie Plural. Es gibt jedoch auch Sprachen, z. B. das Chinesische, die die Kategorie Numerus nur bei Personenbezeichnungen kennen (z. B. xuĂŠshÄng â xuĂŠshÄngmen 'SchĂźler, Sg. â Pl.') und die deshalb auch Ăźber keine generellen Pluralformen verfĂźgen. Ausdruck der Mehrzahl erfolgt dann Ăźber unabhängige ZählwĂśrter. Von der Sprache der PirahĂŁ wird gesagt, dass sie Ăźber keine MĂśglichkeit zur Unterscheidung des Plurals verfĂźge.
Plural in indogermanischen Sprachen
Die meisten indogermanischen Sprachen bilden Pluralformen fĂźr gewĂśhnlich durch flexionsmorphologische Vorgänge, in erster Linie durch Suffigierung. Ein typisches Suffix zum Beispiel fĂźr die westromanischen Sprachen; man vergleiche zum Beispiel das jeweilige Wort fĂźr âZungeâ in folgenden Sprachen:
⢠FranzĂśsisch: langue â langues
⢠Katalanisch: llengua â llengĂźes
⢠Spanisch: lengua â lenguas
⢠Portugiesisch: lĂngua â lĂnguas
⢠Rätoromanisch: lingua â linguas
⢠Sardisch: limba â limbas
Anders verhalten sich die ostromanischen; hier zeigt sich ein Suffixwechsel, ebenso wie im Lateinischen:
⢠Lateinisch: lingua â linguae
⢠Italienisch: lingua â lingue
⢠Rumänisch: limbÄ â limbi
Auch die slawischen Sprachen kennen einen vergleichbaren Suffixwechsel, zumindest bei femininen und neutralen Substantiven; man vergleiche das Wort fĂźr âKopfâ:
⢠Bulgarisch: glava â glavi (gilt auch fĂźr Makedonisch)
⢠Slowenisch: glava â glave (gilt auch fĂźr Serbokroatisch)
⢠Slowakisch: hlava â hlavy (gilt auch fĂźr Tschechisch)
⢠Polnisch: gĹowa â gĹowy (gilt auch fĂźr Niedersorbisch)
⢠Obersorbisch: hĹowa â hĹowy
⢠Russisch: golova â golovy
⢠Ukrainisch: holova â holovy
Das Griechische weist, ähnlich dem Lateinischen, Suffixwechsel in allen Kasus auf, z. B.
⢠Nominativ: Î´ÎŽÎźÎżĎ (dĂmos) â δΎΟοΚ (dĂmoi)
⢠Genitiv: δΎΟοĎ
(dĂmou) â δΎΟĎν (dĂmon)
In den germanischen Sprachen haben sich dagegen andere Suffixe als Pluralmarker etabliert, die mit den deutschen vergleichbar sind. So ist im Niederländischen, im Niederdeutschen und im Friesischen der Plural auf -(e)n sehr verbreitet, in den skandinavischen Sprachen dagegen jener auf -(e)r. Der englische Plural auf -(e)s ist eine Weiterentwicklung dieses skandinavischen Plurals. Vergleiche hierzu das Wort fĂźr den âArmâ:
⢠Niederländisch: arm â armen
⢠Friesisch: earm â earmen
⢠Schwedisch: arm â armar
⢠Norwegisch: arm â armer
⢠Englisch: arm â arms
Eine Vielzahl an MĂśglichkeiten der Pluralbildung findet sich auĂer im Deutschen vor allem im Albanischen und in den keltischen Sprachen. Das Kymrische etwa zeigt sogar die Besonderheit eines sogenannten subtraktiven Plurals, bei dem ein eventuell vorhandenes Singularsuffix getilgt wird:
⢠mochyn âSchweinâ â moch
⢠pysen âErbseâ â pys
⢠psygodyn âFischâ â pysgod
⢠blodyn âBlumeâ â blodau
Aber auch eine Vielzahl von Umlautpluralen sind im Kymrischen belegt:
⢠arth âBärâ â eirth
⢠carreg âSteinâ â cerrig
⢠troed âFuĂâ â traed
Beziehungsweise eine Kombination von beiden (Tilgung des Singularsuffixes und der dadurch bedingte Wegfall des Umlauts):
⢠plentyn âKindâ â plant
⢠aderyn âVogelâ â adar
Ăhnlich komplexe Umlautformen zeigt ansonsten noch das Isländische:
⢠fjĂśrður âFjordâ â firðir
⢠mĂśrður âMarderâ â merðir
⢠bróður âBruderâ â brÌður
Plural in anderen Sprachfamilien
Auch in anderen Sprachfamilien findet Pluralbildung mittels Suffigierung statt; man nehme zum Beispiel den Plural von "Zahn":
⢠TĂźrkisch: diĹ â diĹler (Suffix -lar/-ler)
⢠Ungarisch: fog â fogak (Suffix -ak/-ok/-ek/-Ăśk)
Die Verteilung der Suffixe erfolgt in beiden Sprachen weitgehend nach den Grundsätzen der Vokalharmonie.
Im Arabischen werden interne und externe Plurale unterschieden. Externe Plurale werden durch Suffigierung gebildet, interne durch Umstrukturierung der Wortbasis:
⢠externer Plural bzw. gesunder Pluralcite-ref-bunge-9-0[9]: Ů
ŘšŮŮ
/ muĘżallim Lehrer â Ů
ŘšŮŮ
ŮŮ / muĘżallimĹŤn (Suffix -ĹŤn, maskulin), ŘłŰاع؊ / sayyÄra Auto â ŘłŰاعات / sayyÄrÄt (Suffix -Ät, meist fĂźr feminine WĂśrter)
⢠interner Plural bzw. gebrochener Pluralcite-ref-bunge-9-1[9]: ŮŮŮ
/ qalam Stift â ŘŁŮŮاŮ
/ aqlÄm (Basis q-l-m), Ů
دعس؊ / madrasa Schule â Ů
داعس / madÄris (Basis: m-d-r-s) usw. Welches Schema angewendet wird, ist nur selten vorhersehbar.
AuĂerdem existiert fĂźr WĂśrter, die Mengen von Dingen bezeichnen, ein kollektiver Singular: ŘŞŮŘ§Ř / tuffÄḼ Ăpfel (eine Menge davon, z. B. ein Kilogramm) â ŘŞŮاŘŘŠ / tuffÄḼa (ein einzelner) Apfel â ŘŞŮاŘات / tuffÄḼÄt (mehrere einzelne) Ăpfel (z. B. drei). Die Einzel-Singulare werden vom Kollektivsingular regelmäĂig mit der Femininendung -a gebildet, und davon regelmäĂig der Einzel-Plural auf -Ät.
Im Hebräischen gibt es zwei Pluralsuffixe: - ××- und - ×ת-. -im wird oft fĂźr männliche Pluralformen benutzt, -ot fĂźr weibliche. Beispiel: Talmid â SchĂźler (Einzahl); Talmidim â SchĂźler (Mehrzahl), Talmidot â SchĂźlerinnen. Es gibt aber hierzu zahlreiche Ausnahmen.
In malayo-polynesischen Sprachen ist die Pluralbildung durch Reduplikation charakteristisch. Die polynesischen Sprachen markieren Plurale nicht durch Endungen, sondern durch den Artikel, wie in MÄori te tamaiti â nga tamaiti (das Kind â die Kinder). Als Ausnahme haben einige WĂśrter eigene Pluralformen mit gedehntem Vokal, zum Beispiel Hawaiianisch te wahine â nÄ wÄhine (die Frau â die Frauen).
Plural in Plansprachen
In Plansprachen bildet man den Plural oft durch ein allgemeines Prinzip, etwa im Esperanto durch Anhängen eines -j an das Substantiv: domo âHausâ â Plural: domoj. Davon abweichende oder unregelmäĂige Pluralformen finden sich nicht.
Besondere Funktionen des Plurals
Es gibt einige Fälle der Verwendung des Plurals, die sich dadurch auszeichnen, dass eigentlich nur eine einzelne Person gemeint ist, dennoch aber der Plural verwendet wird. Fßr diese Fälle haben sich in der Sprachwissenschaft folgende Unterscheidungen und Begriffe eingebßrgert:cite-ref-10[10]
⢠Pluralis auctoris (= Autorenplural): Hier spricht der Verfasser eines Textes in der âWirâ-Form, um den Leser stärker einzubeziehen; typisches Beispiel, etwa in der Einleitung einer wissenschaftlichen Arbeit: âWir werden uns in dieser Arbeit mit den besonderen Problemen der ⌠befassenâ.
⢠Pluralis benevolentiae (auch: Pluralis sanitatis oder Krankenschwesternplural): In diesem Fall dient die âWirâ-Form einer mit FĂźrsorgeaufgaben betrauten Person (Arzt, Krankenpflegepersonal, Eltern âŚ) dazu, dem Angesprochenen, BetreuungsbedĂźrftigen ihr MitgefĂźhl anzudeuten; typisches Beispiel: âWie geht es uns denn heute?â
⢠Pluralis majestatis (auch: Pluralis majestaticus): Es handelt sich dabei um die Verwendung der âWirâ-Form durch Personen mit Hoheitsrechten, um anzuzeigen, dass ihnen eine besondere, eben hoheitliche Stellung zukommt; typisches Beispiel: âWir, von Gottes Gnaden âŚ, haben geruht, âŚâ
⢠Pluralis modestiae (= Plural der Bescheidenheit): die Eigenleistung oder ein Fremdverschulden werden durch die Verallgemeinerung in den Hintergrund gestellt; Beispiele: âWir haben hier bereits etwas vorbereitet.â statt âIch habe das ganz alleine gemacht!â oder âWir haben einen Fehler gemacht.â statt âKollege XY hat gepatzt!â
⢠Neben anderen HÜflichkeitsformen wird in vielen Sprachen in der Anrede der Plural verwendet, um Respekt oder Ehrerbietung oder auch nur Distanz zum Angesprochenen auszudrßcken. Im Englischen hat die ursprßngliche Plural-Anrede you den Singular thou sogar vollständig verdrängt.
⢠Der poetische Plural wird vor allem in der antiken Dichtung gebraucht um das gemeinte Objekt grĂśĂer erscheinen zu lassen.
Siehe auch
Literatur
⢠Heide Wegener: Die Nominalflexion des Deutschen â verstanden als Lerngegenstand (= Reihe Germanistische Linguistik. 151). Niemeyer, TĂźbingen 1995, ISBN 3-484-31151-7.
⢠Peter Eisenberg: Grundrià der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 3., durchgesehene Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart u. a. 2006, ISBN 3-476-02160-2.
Weblinks
Wiktionary: Plural
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
Wiktionary: Mehrzahl
â Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
⢠Zweifelsfälle zum Plural in der deutschen Sprache
⢠Pluralbildung von Komposita (Memento vom 25. März 2008 im Internet Archive)
Einzelnachweise
cite-note-11. â vgl. Eisenberg: GrundriĂ der deutschen Grammatik. Band 1: Das Wort. 3., durchgesehene Auflage. 2006, S. 163 ff.
cite-note-22. â Damaris NĂźbling: s-Plural ist kein Sprachimport. Unis, Studis, CDs, Pkws, Aufs und Abs und Buddenbrooks: Pluralbildung auf âsâ ist originär deutsch und geht auf 17./18. Jahrhundert zurĂźck. 2011.
cite-note-33. â Beate Kirchner, Jonny Rieder, Renate Wolf: Ostseestädte. Kreuzfahrten zwischen Kiel, St. Petersburg und Kopenhagen. 4., aktualisierte Auflage. Trescher, Berlin 2012, ISBN 978-3-89794-215-8, S. 381, Zitat: âmit ihren 14 KasĹŤs.â
cite-note-44. â Ursula Blank-Sangmeister: Intra. Lehrerband II. Vandenhoeck & Ruprecht, GĂśttingen 2010, ISBN 978-3-525-71827-8, S. 81, Zitat: âIm Deutschen kĂśnnen die KasĹŤs nicht wĂśrtlich wiedergegeben werden.â
cite-note-55. â Plural fĂźr Nomen auf â-maâ, â-umâ, â-usâ. 3. Dezember 2021, abgerufen am 20. Februar 2022.
cite-note-66. â Duden â Die Grammatik. 8. Auflage. Duden-Verlag, Mannheim / Wien / ZĂźrich 2009, ISBN 978-3-411-04048-3, S. 175ff.
cite-note-77. â Duden â Die Grammatik. 8. Auflage. Duden-Verlag, Mannheim / Wien / ZĂźrich 2009, ISBN 978-3-411-04048-3, S. 175.
cite-note-88. â Singularnomen vs. Pluralnomen. 10. Dezember 2021, abgerufen am 20. Februar 2022.
cite-note-bunge-99. â Marco Bunge: Der gebrochene Plural in den semitischen Sprachen
cite-note-1010. â Helmut GlĂźck (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 4., aktualisierte und Ăźberarbeitete Auflage. J. B. Metzler, Stuttgart u. a. 2010, ISBN 978-3-476-02335-3.